Hungertuchbetrachtung 2020




Einführung:



Schon von weitem taucht unser Blick in das tiefe Blau,
hängt an dem schwebenden, leuchtenden Ring,
wandert weiter zu der Gestalt am rechten Rand: WO BIST DU, MENSCH?

Vielen von Ihnen sind die Misereor-Hungertücher seit über 40 Jahren
ein vertrautes, spirituelles und künstlerisches Element,
das Sie in den 7 Wochen vor Ostern und vielleicht darüber hinaus
auf dem Weg begleitet.
Das jetzige Tuch von Misereor, ein abstraktes Werk des
Flensburger Künstlers Uwe Appold, lädt uns ein zu schauen,
zu meditieren und Stellung zu beziehen:



Wahrnehmen, dass der goldenen Ring aus der Balance geraten
und zur Seite verrückt und das "gemeinsame Haus" in seiner Mitte
unfertig und gefährdet ist. Sich dem Anruf Gottes stellen:
Mensch, wo bist du? Wo bist du, wenn Hass und Gleichgültigkeit
um sich greifen? Wenn die Erde ausgebeutet und zerstört wird?
Wo trägst du Verantwortung für die Schöpfung und
wo entziehst du dich?
Mensch, wie willst du die Zukunft gestalten?

Eine Sturzflut brauner Erde ergießt sich vom oberen Rand des
Hungertuches in ein unendliches Blau.
Leicht verschoben von der Mitte steht ein perfekter Kreis aus Goldplatten.
Er ist fassbar, begreifbar - ein Heiligenschein, der Schatten wirft.
Was zu sehen ist, ist die Schöpfung, die Erde, das Firmament,
das Heilige. Und in der Mitte ein unfertiges Haus.

In der äußerst reduzierten Darstellung einer menschlichen Unterkunft
wird der wichtige Bezug deutlich:
Papst Franziskus hat in seiner Enzyplika vom "gemeinsamen Haus" gesprochen.
Die Botschaft soll verdeutlichen, dass der Wandel zu schaffen ist
und das gemeinsame Haus fertiggestellt werden kann!

Am handgreiflichsten wird die Schöpfung in der Erde, den Krumen des Mutterbodens,
der jeden Ort dieser Welt auf eine bestimmte Art prägt.
"ERDE BEDEUTET HEIMAT!" sagt der Künstler Appold.

Wir alle tragen Verantwortung für unser "gemeinsames Haus",
das der Künstler in Erde aus dem Garten Gethsemane eingebetet hat.
Ein gutes Bild kann Türen öffnen und Einladung sein,
das Leben mit wachen Augen zu sehen und mit offenen Ohren zu hören.
Ein anderes Haus, ein neuer Himmel und eine neue Erde können Wirklichkeit werden!
Ein neues Verständnis von Fortschritt,
das uns die Ausgegrenzten vom Rand in die Mitte holen und
willkommen heißen lässt - weil diese Frage uns immer neu ansporn:
MENSCH, WO BIST DU?









*Eine Handvoll Erde, schau sie dir an
Gott sprach einst: Es werde! Denke daran.

Mit der Erde kannst du spielen, spielen wei der Wind im Sand,
und du baust in deinen Träumen dir ein buntes Träumeland.

Mit der Erde kannst Du bauen, bauen dir ein schönes Haus,
doch du solltest nie vergessen: einmal ziehst du wieder aus!

Eine Handvoll Erde, schau sie dir an...

Auf der Erde kannst Du stehen - stehen, weil der Grund dich hält
und so bietet dir die Erde einen Standpunkt in der Welt.

In die Erde kannst Du pflanzen - pflanzen einen Hoffnungsbaum.
Und er schenkt Dir viele Jahre einen bunten Blütentraum.

Eine Handvoll Erde, schau sie dir an...

Auf der Erde darfst Du leben - leben ganz und jetzt und hier
und Du kannst das Leben lieben, denn der Schöpfer schenkt es Dir.

Uns're Erde zu bewahren - zu bewahren, das, was lebt,
hat Gott Dir und mir geboten, weil er seine Erde liebt.

Eine Handvoll Erde, schau sie dir an...

(entnommen aus Schwerter Liederbuch - Verlag BDKJ)









Deutung


Am 1. Fastensonntag haben wir in der Lesung (Buch Genesis 2,7-9; 3,1-6)
von dem Baum der Erkenntnis im Garten Eden gehört.
Gott hatte Adam und Eva geschaffen. Er schuf sie perfekt und sie kannten nichts Böses:
keine Wut, keinen Neid, keine Krankheit, keine Traurigkeit.
Gott sagte zu Eva: Ihr dürft von allen Bäumen im Garten essen.
Nur vom Baum der Erkenntnis nicht!

Eva aber ließ sich von der Schlange verführen, doch von dem Baum zu essen und
gab auch Adam davon. Als sie die Frucht gegessen hatten, wurde ihnen klar,
was sie getan hatten. Sie hatten gegen das Gebot Gottes verstoßen, weil sie
selbst wie Gott sein wollten. Sie waren beschämt! Sie versteckten sich.
Gott suchte sie: MENSCH, WO BIST DU?
Adam und Eva traten hervor und
Adam sagte: "Ich bin nicht schuld, Eva hat mir von der Frucht gegeben!"
Eva sagte: "Ich bin nicht schuld, die Schlange hat mich überredet!"
Gott sagte: "Weil Ihr das getan habt, könnt Ihr nicht länger im Paradies bleiben!
Ihr werdet jetzt das Leid, die Mühe der Arbeit, den Hunger, die Sorge
und den Tod kennenlernen."

Am 1. Fastensonntag hören wir im Evangelium (Mt 4,1-11) das auch Jesus in Versuchung geführt worden ist.
Der Teufel fordert ihn auf, aus Steinen Brot zu machen. Jesus aber widersteht der Versuchung!
Stattdessen wird Jesus selbst zum Brot, um anderen Nahrung zu sein.
Dieses Brotwunder Jesu reicht bin in unsere Zeit, bis zu jedem Sonntag,
wenn wir Eucharistie feiern!

Als 2. Versuchung nimmt der Teufel Jesus mit auf den Tempel und fordert ihn auf,
sich hinunter zu stürzen, um die Engel zu testen. Auch dieser Versuchung widersteht Jesus.
Auch wir werden öfter versucht, an Gott zu zweifeln.
In dunklen Zeiten, in Krankheit und Sorge. Dann fällt es uns schwer an das Gute zu glauben.
Dann müssen wir vertrauen - wie Jesus am Kreuz.

Als 3. Versuchung nimmt der Teufel Jesus mit auf einen hohen Berg.
Jesus soll sich vor dem Teufel niederwerfen und ihn anbeten, um dann dafür
alle Reiche der Welt zu bekommen. Jesus widersteht ein drittes Mal.


Versuchungen kommen oft in Zeiten, die für uns schwierig sind.
In denen ich meine Hingabe bekräftigen kann, in dem ich sage:
Ja, Herr, ich vertraue Dir! Ich folge Dir nach!
Ich mache mich mit Dir auf den Weg zum Vater!


In der Fastenzeit (und in diesem Jahr auch in der Krisenzeit) haben wir die Gelegenheit,
in uns zu gehen und über die Versuchungen nachzudenken, denen wir ausgesetzt sind:

* Versuchung durch Nikotin, Alkohol und andere Genüsse
* Versuchung die Flüchtlinge zu meiden, anstatt ihnen zu helfen
* Versuchung üble Nachrede zu verbreiten oder zu mobben
* Versuchung die Schuld von uns auf andere zu schieben
* Versuchung durch Hamsterkäufe anderen die Dinge fürs tägliche Leben zu verwehren

In dieser schwierigen Zeit mit den vielen Unsicherheiten und Existensängsten durch
das Coronavirus und andere weltweite Krisen,
wollen wir auf Gott vertrauen und das Gebet des Vertrauens beten:

Ich weiß, dass du mein Vater bist, in dessen Arm ich wohl geborgen.
Ich will nicht fragen, wie du führst, ich will dir folgen ohne Sorgen.

Und gäbest du in meine Hand mein Leben, dass ich selbst es wende,
ich legt mit kindlichem Vertraun es nur zurück in deine Hände. Amen


Texte und Bilder zusammengestellt aus
- Misereor-Meditations-Heftchen 2019/2020
- Kirchenzeitung "Der Dom" Frühjahr 2019
- Misereor-Fastenkalender 2019
- Internet Lehrerforum Nr. 110
- Fastenpredigt von Spiritual Städter aus Paderborn


Bleiben Sie gesund!

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18.08.2011